Waldexkursion

An diesem goldenen Herbsttag machte sich die Ortsgruppe auf, zu einer Exkursion durch die Kallenhardter Wald- und Feldflur. An diesem Nachmittag sollte über das Leben und Verhalten unserer heimischen Wildtiere sowie die Aufgaben eines Jägers informiert werden.

Bernd Gerwiner, Leiter des Hegerings Rüthen, begeisterte die ca. 40 Teilnehmer durch seine fachlichen und vor allem kindgerechten Ausführungen. Gleich zu Beginn der Wanderung ging es zünftig los, als die Jagdhornbläser Michael Funke und Heiner Grotenhöfer einige Hornsignale darboten, die für die Jagd damals wie heute von Bedeutung sind. Die Signale sind über weitere Distanzen hörbar, so dass jeder mitbekommt, wann eine Jagd beginnt und wann sie endet. Danach stellte Bernd Gerwiner seine Jagdausrüstung vor. Dazu gehört eine leuchtende Tarnweste, welche den Jäger bei einer Treibjagd schützt, jedoch von den Tieren aufgrund ihrer Farbblindheit nicht erkannt wird. Ebenso ein Fernglas und natürlich das Gewehr.


Die Kinder nutzten die Gelegenheit mal durch ein Zielfernrohr zu schauen und Bernd Gerwiner erklärte ihnen, dass mit so einem Jagdgewehr das Wild schnell und schmerzlos erlegt werden kann. Außerdem macht das Schießen nur einen kleinen Teil der Aufgaben eines Jägers aus und soll vor allem die Wildbestände regulieren und im Gleichgewicht halten. Dies wird sogar gesetzlich geregelt durch Verordnung von Schonzeiten sowie die Aufstellung und Kontrolle von Abschussplänen.

Um das Wild besser aufspüren zu können, werden die Jäger von Hunden begleitet, die in Dickichte oder Fuchsbauten eindringen können, um das Wild heraus zu treiben.

Zunächst ging es durch eine Kuhweide und Bernd Gerwiner informierte die interessierten Zuhörer, dass ein wesentlicher Bestandteil seiner Aufgaben die Hege ist. Dazu gehören beispielsweise Maßnahmen zum Schutz oder Verbesserung wertvoller Biotope sowie die Erhaltung des Artenreichtums. In diesem Zusammenhang stellte er ein Projekt zur Wiederansiedlung von Fasanen vor.


Den Kindern wurde empfohlen, mit offenen Augen durch die Natur zu gehen, schließlich gebe es viel zu entdecken. Tatsächlich konnten Fasan und Fuchs gesichtet werde. Dabei handelte es sich allerdings um Tierpräparate, die der Waidmann zuvor gut getarnt, wie das in der Natur so ist, versteckt hatte.

Der Fuchs sorgt immer wieder für Unruhe, gilt er doch als Überträger der Tollwut. Durch die Bekämpfung der Krankheit mit Impfködern müsse aber keiner mehr Angst vor einem tollwütigem Tier haben, versicherte Gerwiner. Bedrohlicher sei der Fuchsbandwurm, der beim Menschen noch nach Jahren bis zum Tod führen kann. Um sich vor ihm zu schützen sei es ratsam, nichts zu essen, was sich in Reichweite der Füchse befindet, wie zum Beispiel Waldbeeren. Erst bei hohen Temperaturen in der Pfanne oder im Kochtopf wird der Virus abgetötet und ein Verzehr von Waldfrüchten ist bedenkenlos möglich.

Ein Risiko birgt das Wild auf der Straße. Besonders im Frühjahr oder jetzt im Herbst häufen sich wieder die Wildunfälle, erläuterte Heinz Rinkowski von der BUND-Ortsgruppe. Bundesweit stirbt jedes fünfte Reh bei einem Verkehrsunfall, in NRW ist es sogar jedes Dritte. Warnhinweise für einen Wildwechsel sollten deshalb unbedingt ernst genommen werden. Besonders Unfälle mit Schwarzwild können verheerende Auswirkungen haben, ergänzte der Polizeibeamte Michael Funke. Deswegen ist es in ausgeschilderten Gegenden äußerst wichtig, immer bremsbereit zu sein und nicht zu schnell zu fahren

Sollte doch mal ein Tier auf Kollisionskurs gegangen sein, sei es notwendig die Polizei zu alarmieren, die den zuständigen Jagdpächter benachrichtigen kann, machte Rinkowski deutlich. Wird das Wild nämlich nicht von der Straße geholt, sind nachfolgende Autofahrer gefährdet. Ein wichtiger Hinweis zum Standort zeigen die Kilometersteine, die alle 100 Meter auf deutschen Landstraßen angebracht sind. Auf keinen Fall jedoch dürfe der Autofahrer das angefahrene Wild einfach einpacken und als Sonntagsbraten mit nach Hause nehmen. Das gilt in Deutschland als Wilderei und ist strafbar, fügte Gerwiner an. Als Maßnahme zur Reduzierung von Wildunfällen werden von den Jagdpächtern häufig Reflektoren am Straßenrand angebracht. Diese sollen das Wild erschrecken und zurückhalten, außerdem erhöhen sie die Aufmerksamkeit der Autofahrer.


Die Exkursion setze sich fort, vorbei an einem Maisfeld zu einem Hochsitz (Kanzel). Von hier aus konnte man die Wildschäden im Feld gut erkennen. Zur Einschränkung von Wildschäden in der Land- und Forstwirtschaft werden häufig Wildäcker angelegt, erklärte Bernd Gerwiner. Außerdem nützen sie, die bereits angesprochenen Wildwechsel zu reduzieren, da für das Wild weniger Anlass besteht, ihr Revier zur Nahrungssuche zu verlassen.

Weiter ging es auf Spurensuche. Auf dem nassen Weg waren Abdrücke von Reh, Hase und Wildschwein zu erkennen. Den Kindern machte es großen Spaß die Spuren mit Gips auszugießen um später einen Hufabdruck zu erhalten. Auch Spuren von Tierkot, waidmännisch Losung genannt, konnte gesichtet und bestimmt werden.

Auf der 2,5stündigen Tour wurde es nie langweilig. Immer wieder hatte sich unser Waidmann etwas einfallen lassen und Dinge zum Entdecken deponiert. Nicht schlecht erstaunt waren die Kinder über die großen Hauer von einem Keiler, das Geweih eines Zwölfenders oder die Größe eines Dachsbaus und das der Dachs ein Kämpfer hingegen der Fuchs ein Feigling ist.

Interessant waren die Ausdrücke in der Jägersprache. Da heißen Wildschweinohren nämlich Teller und ein Hasenschwanz ist eine Blume. Blut vom Wild nennt man Schweiß.

Zum Abschluss der Exkursion konnten die Kinder noch eine Jägerprüfung über das eben Erlernte ablegen. Da mussten Tierstimmen erkannt und Fährten gedeutet werden sowie Fragen zu Wildunfällen und richtiges Verhalten im Wald beantwortet werden.

Beendet wurde der sehr informative Nachmittag mit dem „Halali“, vorgetragen von den Jagdhornbläsern und stilecht begleitet von Hundegebell. An dieser Stelle möchten wir uns bei den Jägern des Hegerings Rüthen für ihr Engagement herzlich bedanken.


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